Was ist ein Quincunx?

Ein Quincunx verbindet zwei Punkte, die etwa 150 Grad auseinanderstehen. Der Name stammt aus dem Lateinischen und bezeichnete ursprünglich fünf Zwölftel einer Einheit, hier also fünf der zwölf Zeichen. Im Deutschen findest du daneben die Schreibweise Quinkunx und den älteren Ausdruck Inkonjunktion. Zwei Zeichen in diesem Abstand teilen weder das Element noch die Qualität noch die Polarität, und diese dreifache Fremdheit ist der eigentliche Kern des Aspekts. In Moon Shine AI kannst du in der Horoskopdeutung nachsehen, welche Quincunxe bei dir mit welchem Orbis zusammenkommen.

Fünf Zwölftel des Kreises

Rechne den Kreis in Zwölfteln und die Sache wird anschaulich. Ein Zwölftel misst 30 Grad, fünf davon ergeben 150 Grad. Vom Widder aus landest du damit in der Jungfrau, wenn du vorwärts zählst, und im Skorpion, wenn du rückwärts zählst. Jedes Zeichen hat also zwei Quincunx-Partner, und keiner von beiden hat mit ihm etwas gemeinsam.

Die Rechnung dahinter lohnt einen genauen Blick. Der Widder ist kardinal, feurig und positiv gepolt. Die Jungfrau ist veränderlich, erdig und negativ gepolt, der Skorpion fest, wässrig und ebenfalls negativ gepolt. Bei jedem anderen Hauptaspekt gibt es mindestens eine gemeinsame Schublade. Sextil und Trigon teilen die Polarität, Quadrat und Opposition teilen die Qualität. Beim Quincunx fällt jede dieser Brücken weg.

Genau daraus ergibt sich der Ton des Aspekts. Zwei Planeten in diesem Abstand haben keine gemeinsame Sprache, über die sie sich verständigen könnten, und sie streiten auch nicht miteinander, weil ihnen dafür der gemeinsame Boden fehlt. Beschrieben wird das meist als fortlaufende Nachjustierung. Etwas passt nicht ganz zusammen und wird deshalb immer wieder neu abgestimmt.

Warum die klassische Astrologie ihn nicht kannte

In der hellenistischen Astrologie galten Zeichen im Abstand von 150 Grad als abgewandt. Sie sehen einander nicht, und der Fachausdruck dafür ist Aversion. Dasselbe gilt für den Abstand von 30 Grad. Die fünf klassischen Aspekte, also Konjunktion, Sextil, Quadrat, Trigon und Opposition, ergaben sich aus einfachen Teilungen des Kreises, und 150 Grad passten in keine davon. Ein Aspekt war das damals nicht, sondern eine Blindstelle.

Erweitert wurde die Liste erst deutlich später. Johannes Kepler nahm in seinem Werk Harmonices Mundi von 1619 weitere Winkel auf, die er aus musikalischen Verhältnissen ableitete, darunter auch das Quincunx. Über die moderne Astrologie des zwanzigsten Jahrhunderts wanderte der Winkel dann in die Standardliste der Nebenaspekte. Wer heute mit einem Quincunx arbeitet, benutzt also einen vergleichsweise jungen Baustein.

Diese Herkunft hat praktische Folgen. Weil der Aspekt keine lange Tradition hinter sich hat, gehen die Deutungen weiter auseinander als bei Quadrat oder Trigon. Manche Schulen behandeln ihn fast wie einen Hauptaspekt, andere nehmen ihn nur auf, wenn er sehr eng ist oder wenn er Teil eines Yods ist. Es lohnt sich, diese Uneinigkeit zu kennen, statt eine einzelne Lesart für die einzig gültige zu halten.

Enger Orbis, leiser Ton

Als Nebenaspekt bekommt das Quincunx einen schmalen Rahmen. Üblich sind 2 bis 3 Grad, einige Quellen gehen bei Sonne und Mond auf 4. Wer weiter aufmacht, sammelt in jedem Horoskop eine lange Liste solcher Verbindungen, und die Deutung verliert ihre Schärfe. Als Faustregel gilt, dass ein Quincunx erst dann Beachtung verdient, wenn es enger ist als die Hauptaspekte im selben Horoskop.

Interessant ist der Bezug zu den Häusern. Zählst du vom Aszendenten aus 150 Grad in beide Richtungen, landest du im Bereich des sechsten und des achten Hauses, also bei Arbeit und Alltag auf der einen und bei geteilten Mitteln und Grenzsituationen auf der anderen Seite. Aus dieser Lage stammt ein Teil der Themen, die dem Aspekt traditionell zugeschrieben werden. Die Verbindung ist eine Analogie und kein Beweis, aber sie erklärt, warum so oft von Anpassung, Gesundheit und Verpflichtung die Rede ist.

Im Alltag zeigt sich der Aspekt eher leise. Beschrieben wird häufig ein Bereich, in dem zwei Ansprüche nebeneinanderstehen, die sich nicht sauber verbinden lassen, sodass abwechselnd der eine und dann der andere den Vorrang bekommt. Wie sich das anfühlt, hängt an den beteiligten Planeten. Ein Quincunx zwischen Mond und Saturn klingt anders als eines zwischen Venus und Uranus, und in beiden Fällen bleibt es bei einer Möglichkeit.

Wie du ein Quincunx sinnvoll liest

Setze es an die richtige Stelle der Reihenfolge. Zuerst gehören die Hauptaspekte gelesen, dann die Häuser und die Herrscher, und erst danach die Nebenaspekte. Ein enges Quincunx kann eine Deutung verfeinern, es trägt sie aber nicht allein. Wenn du zwei oder drei davon findest, schau, ob sie auf denselben Planeten zeigen, denn dann steht dieser Punkt unter mehrfacher Anpassung.

Zeigen zwei Quincunxe gemeinsam auf einen dritten Planeten und stehen ihre Ausgangspunkte zueinander im Sextil, hast du kein einzelnes Quincunx mehr, sondern die Figur, die Yod heißt. Diese Prüfung dauert eine Minute und verändert die Deutung deutlich, weil die beiden Linien dann zusammengehören statt nebeneinanderzuliegen.

Zum Schluss die übliche Vorsicht. Ein Quincunx beschreibt eine Reibung ohne gemeinsamen Boden und deren ungefähre Stärke, und es sagt nichts darüber, wie eine Sache ausgeht. Am ehrlichsten liest sich der Aspekt als Hinweis auf einen Bereich, der Feinabstimmung braucht, und diese Feinabstimmung ist Arbeit und kein Ereignis.

Luna

Du willst wissen, welche Planeten bei dir 150 Grad auseinanderstehen und ob daraus sogar ein Yod wird? Frag Luna, sie sortiert die Aspekte mit dir nach Orbis.

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Wie viel Orbis bekommt ein Quincunx?

Meist 2 bis 3 Grad, bei Sonne und Mond gelegentlich bis 4. Als Nebenaspekt verliert er schnell an Gewicht, wenn der Rahmen zu weit gefasst wird, denn dann findet sich in jedem Horoskop eine ganze Reihe davon.

Ist Quincunx dasselbe wie Inkonjunktion?

In der älteren deutschsprachigen Literatur meint Inkonjunktion beide abgewandten Abstände, also 30 und 150 Grad. Heute wird der Ausdruck meist nur noch für die 150 Grad verwendet, deshalb lohnt bei alten Büchern ein Blick auf die Definition.

Was unterscheidet Quincunx und Halbsextil?

Das Halbsextil misst 30 Grad, das Quincunx 150. Beide gehören zu den Abständen, die in der klassischen Astrologie als abgewandt galten, und beide werden heute als Nebenaspekte mit engem Orbis gerechnet.

Die Inhalte dieser Seite sind astrologische Deutung und allgemeine Information; sie ersetzen keine medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung. Wende dich für wichtige Entscheidungen an eine fachkundige Person.