Was ist ein blauer Mond?
Ein blauer Mond ist ein Vollmond, der aus der Reihe fällt. Zwei Definitionen sind im Umlauf. Nach der bekannteren ist es der zweite Vollmond innerhalb eines Kalendermonats, nach der älteren der dritte von vier Vollmonden einer Jahreszeit. Mit Farbe hat der Name nichts zu tun, gemeint ist Seltenheit. In Moon Shine AI siehst du, auf welches Zeichen dieser zusätzliche Vollmond fällt.
Der Name führt in die Irre
Blau ist an diesem Mond nichts. Er sieht aus wie jeder andere Vollmond, weiß bis gelblich, je nach Höhe über dem Horizont. Eine wirklich bläuliche Färbung kommt vor, aber aus einem ganz anderen Grund. Nach großen Vulkanausbrüchen oder Waldbränden schweben Partikel in der Luft, die das rote Licht stärker streuen. Dann wirkt der Mond tatsächlich bläulich. Mit dem Kalender hat das nichts zu tun.
Der Ausdruck selbst ist alt und seine Herkunft unklar. Im Englischen bedeutet die Wendung once in a blue moon so viel wie äußerst selten. Belegt ist sie seit Jahrhunderten. Irgendwann wurde daraus die Bezeichnung für einen zusätzlichen Vollmond, der nicht ins gewohnte Schema eines Zeitraums passt.
Wichtig ist der Kern der Sache. Ein blauer Mond ist ein Kalenderartefakt. Er entsteht, weil der Mondzyklus und unsere Monate verschieden lang sind, und nicht, weil am Himmel etwas Ungewöhnliches geschieht. Der Mond selbst merkt davon nichts. Er läuft weiter wie in jedem anderen Zyklus auch.
Ein historisches Beispiel für die echte Färbung gibt es trotzdem. Nach dem Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 berichteten Beobachter über Monate hinweg von einem bläulich wirkenden Mond. Die Partikel in der Atmosphäre hatten genau die Größe, die rotes Licht stärker streut. Ähnliches wurde nach großen Waldbränden beschrieben. Solche Ereignisse folgen keinem Kalender und lassen sich nicht im Voraus ankündigen.
Das Gegenstück trägt ebenfalls einen Namen. Fällt ein zweiter Neumond in denselben Kalendermonat, sprechen manche Quellen von einem schwarzen Mond, und auch dieser Ausdruck stammt nicht aus der Astronomie. Sehen kann man ihn ohnehin nicht, denn ein Neumond steht am Himmel in Richtung der Sonne. Er wird also gezählt und nicht beobachtet. Für den blauen Mond gilt dasselbe, nur fällt es dort weniger auf, weil in dieser Nacht wenigstens etwas am Himmel zu sehen ist.
Die bekannte Definition und ein Fehler von 1946
Die heute geläufige Definition lautet, dass ein blauer Mond der zweite Vollmond in einem Kalendermonat ist. Möglich wird das, weil eine Lunation 29,53 Tage dauert und die meisten Monate 30 oder 31 Tage haben. Fällt ein Vollmond auf den Ersten oder Zweiten, passt ein weiterer ans Monatsende. Im Schnitt geschieht das etwa alle 2,7 Jahre. Im Februar ist es nie möglich.
Diese Lesart entstand durch ein Missverständnis. 1946 gab die Zeitschrift Sky and Telescope die Regel des Maine Farmers' Almanac falsch wieder. Der Almanach zählte Vollmonde je Jahreszeit, der Artikel machte daraus eine Zählung je Kalendermonat. Über Radiosendungen und später über ein bekanntes Quizspiel setzte sich die falsche Version durch.
Korrigiert wurde der Fehler erst 1999, und da war er längst Allgemeingut geworden. Heute stehen beide Definitionen nebeneinander. Wer von einem blauen Mond spricht, meint fast immer den zweiten Vollmond im Monat. Das ist kein Beinbruch, denn beide Zählweisen beschreiben dasselbe Grundphänomen aus zwei Blickwinkeln.
Ein Detail wird dabei fast immer übersehen. Ob ein Vollmond noch in den Monat fällt, hängt an der Zeitzone. Ein Vollmond kurz nach Mitternacht in Mitteleuropa fällt in New York noch auf den Vortag und damit unter Umständen in den Monat davor. Dann zählt das eine Land zwei Vollmonde in diesem Monat und das andere nur einen. Deutlicher lässt sich kaum zeigen, dass hier der Kalender die Regel macht und nicht der Himmel.
Die ältere Zählung nach Jahreszeiten
Der Maine Farmers' Almanac zählte anders. Eine astronomische Jahreszeit, also die Spanne zwischen einer Sonnenwende und einer Tagundnachtgleiche, enthält normalerweise drei Vollmonde. Gelegentlich passen vier hinein. In diesem Fall galt der dritte von vieren als blauer Mond.
Dass ausgerechnet der dritte gezählt wurde und nicht der vierte, hat einen praktischen Grund. Die Vollmonde trugen Namen, die an ihre Stellung in der Jahreszeit gebunden waren. Der letzte Vollmond einer Jahreszeit sollte seinen angestammten Namen behalten. Deshalb bekam der überzählige Mond seinen Platz weiter vorn in der Reihe.
Auch nach dieser Zählung ist das Ereignis nicht wirklich selten. Es tritt in einem ähnlichen Rhythmus auf wie die Kalendervariante, also etwa alle zweieinhalb bis drei Jahre. Die beiden Definitionen treffen nur fast nie denselben Vollmond. In manchen Jahren gibt es nach der einen Zählung einen blauen Mond und nach der anderen keinen.
Die Rechnung dahinter ist einfach. Ein Jahr hat vier Jahreszeiten und meist zwölf Vollmonde, also drei je Jahreszeit. Weil zwölf Lunationen aber elf Tage kürzer sind als das Sonnenjahr, kommt etwa alle zweieinhalb bis drei Jahre ein dreizehnter Vollmond dazu. Dieser dreizehnte muss irgendwo untergebracht werden. Die Jahreszeit, die ihn abbekommt, hat dann vier statt drei, und genau dort sitzt der blaue Mond der älteren Zählung.
Was das astrologisch bedeutet und was nicht
Astrologisch bekommt ein blauer Mond keine eigene Technik. Gelesen wird er wie jeder Vollmond, also über die Achse, auf die er fällt, und über die beiden Häuser, die er in deiner Karte berührt. Ein zusätzliches Gewicht folgt aus dem Kalender nicht, denn der Kalender ist eine menschliche Einteilung und kein Himmelsereignis.
Interessant ist eher eine Nebenwirkung. Zwei Vollmonde in einem Monat stehen fast immer im selben oder im benachbarten Zeichen. Dieselbe Achse wird also zweimal kurz hintereinander betont. Wer den ersten Vollmond bewusst erlebt hat, kann beim zweiten nachsehen, was sich seither bewegt hat. Das ist ein brauchbarer Beobachtungspunkt und verlangt keine besondere Deutung.
Alles darüber hinaus ist Ausschmückung. Ein blauer Mond ist kein Portal, kein Wendepunkt und kein Fenster in irgendetwas. Er ist ein Vollmond, der wegen der Länge unserer Monate zufällig doppelt vorkommt. Wer die Nacht schön findet, hat trotzdem recht. Ein hell beleuchteter Himmel bleibt sehenswert, ganz gleich wie man ihn zählt.
In alten astrologischen Texten kommt der blaue Mond nicht vor. Das ist kein Zufall. Die klassische Astrologie arbeitet mit Zeichen, Graden und Aspekten und nicht mit den Namen unserer Monate. Erst die moderne Popularisierung hat den Ausdruck aus dem Kalender in die Deutung geholt. Wer ihn dort verwendet, sollte wissen, dass er damit eine Kalenderregel deutet und keine Himmelsmechanik. Für die Deutung selbst bleibt es gleichgültig, ob ein Vollmond der erste oder der zweite in einem Kalendermonat ist.
Manchmal fallen mehrere dieser Etiketten zusammen. Dann meldet die Presse einen blauen Supermond oder, wenn zusätzlich eine Mondfinsternis stattfindet, einen blauen Blutmond. Gestapelt werden dabei drei voneinander unabhängige Umstände. Das sind ein zweiter Vollmond im Monat, ein geringer Erdabstand und der Durchgang durch den Erdschatten. Jeder für sich ist gewöhnlich, und ihr Zusammentreffen macht keinen von ihnen stärker.
Wenn du wissen willst, auf welches Zeichen der nächste blaue Mond fällt und welche Häuser deiner Karte er berührt, frag Luna danach. Sie rechnet beide Vollmonde des Monats für dich durch.
Wie oft gibt es einen blauen Mond?
Nach der Kalenderdefinition etwa alle 2,7 Jahre. Der Grund liegt in den 29,53 Tagen einer Lunation, die kürzer sind als die meisten Kalendermonate. Nach der älteren Jahreszeitenzählung fällt der Rhythmus ähnlich aus.
Ist der Mond dabei wirklich blau?
Nein. Der Name meint Seltenheit und keine Farbe. Bläulich wirken kann der Mond nach großen Vulkanausbrüchen oder Waldbränden, wenn Partikel in der Luft das Licht streuen. Mit dem Kalender hat das nichts zu tun.
Welche Definition ist die richtige?
Beide sind im Umlauf. Die ältere zählt den dritten von vier Vollmonden einer astronomischen Jahreszeit. Die bekanntere zählt den zweiten Vollmond in einem Kalendermonat und geht auf eine Fehllesung von 1946 zurück.